27.03.2018 - Aus der Frühlingssonne in den Dom gelockt

Wormser Zeitung
von Kristine Weitzel
27.03.2018

PASSIONSKONZERT Der 120-köpfige Mainzer Domchor begeistert / Dan Zerfaß an der Orgel 
 
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Der Mainzer Domchor sorgt für Ohrenschmaus. Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin
 
 
WORMS ▪ Alle Besucher, die sich aus der wärmenden Frühlingssonne in den Dom begeben hatten, wurden im Konzert des Mainzer Domchores unter der Leitung von Karsten Storck reichlich belohnt. Ein exklusives Chorwerk reihte sich an das andere. Der aus circa 120 Sängern bestehende Chor ließ das Konzert zu einem Ohrenschmaus werden. Die vielen kleinen Chorwerke zeigten die Entwicklungsgeschichte der Chormusik.
 
Schon die Einstimmung „Hosianna filio Davi“, ein gregorianischer Choral, sorgte für ein Wohlgefühl. Acht Herren intonierten klar und gut. Diese Qualität ließ alles Weitere schon erahnen: der Gesamtchor stand dem in nichts nach. Die schwierige Taktänderung vom 4er in den 3er Takt in „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz meisterte der Chor mühelos. Im Wechsel zwischen Großem Chor und kleineren Chorgruppen, etwa in den kurzen Responsorien zum Karfreitag von Ingegneri: „Omnes amici mei“, erkannte man die gute stimmliche Ausbildung der Chorsänger. Der Knabensopran klang hell und klar, ohne zu drücken, der Knabenalt sonor und frei in der Tiefe und die Männerstimmen, ob Tenor oder Bass, ausgewogen und wohlig im Klang. Dies zeigte sich auch in „In monte Oliveti“ von Orlando di Lasso. Hier begannen die Männerstimmen sehr verhalten leise. Schon dies ein Wohlklang. Zusammen mit den Knabenstimmen entspann sich ein Aufblühen des Klanges bis hin zum schönen fortissimo.
 
Gesang füllt den Dom mit wohligen Klängen
 
Die romantische Musik verlangt eine differenzierte Lautstärkengestaltung wie etwa Franz Liszt „O salutaris hostias“ oder Franz Schuberts „Wohin soll ich mich wenden“ aus der Deutschen Messe. Der Chor füllte klanglich den Dom, nie zu laut und wohlig leise.
 
Dan Zerfaß ergänzte das Konzert an der Orgel. Aus Johann Sebastian Bachs „Orgelbüchlein“ spielte er das Choralvorspiel „O Mensch bewein dein Sünde groß“. Dieses „Orgelbüchlein“ hat Bach als „Improvisationsschule“ für seine Orgelschüler geschrieben. So schön gespielt und registriert war jedem Zuhörer sofort klar, dass das sehr, sehr fortgeschrittene Schüler sein mussten. Die „Fantasie und Fuge“, ebenfalls von Bach, war ebenso passend zum Chorprogramm ausgewählt. Durchsichtig in der Registrierung (Klangfarben der Orgel), durchdachte Phrasierung und das Hervorheben des Fugenthemas machten Lust auf das Zuhören.
 
Zum Abschluss erklangen zwei bekannte Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy: „Richte mich Gott“ und „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“, beide achtstimmig. Als hätte der Chor nicht schon längst gezeigt, was er leisten kann, wuchs er über sich hinaus. Nie zu laut, aber auch zart leise ohne zu hauchen oder zu drücken und sehr dynamisch gestaltet. Alle Sänger folgten ihrem Chorleiter Storck bis ins Kleinste. Für den Applaus der Zuhörer bedanke sich der Chor mit Bruckners „Locus iste“.
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