Zweiter Internationaler Orgelsommer am Mainzer Dom (06/2012)

Vom 21. Juli bis zum 8. September laden Domorganist Daniel Beckmann und sechs seiner Kollegen zum zweiten Internationalen Orgelsommer am Mainzer Dom ein. Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr gibt es nur eine Änderung: Die Konzerte beginnen jeweils eine halbe Stunde später und zwar um 18.30 Uhr.

Der zweite Durchlauf des Internationalen Orgelsommers steht bevor. Gibt es Änderungen zur „Jungfernfahrt“ im vergangenen Jahr?

Die Resonanz auf den ersten Internationalen Orgelsommer am Mainzer Dom im letzten Jahr war überraschend positiv. So bin ich froh und dankbar, dass das Bischöfliche Domkapitel auch in diesem Jahr eine erneute Durchführung dieses Festivals unterstützt. Gravierende konzeptionelle Änderungen halte ich dabei nicht für notwendig. Allerdings werden die Konzerte im Gegensatz zum Vorjahr mit Rücksicht auf die vorausgehende Beichtgelegenheit und das 18 Uhr-Geläut nun jeweils um 18.30 Uhr beginnen. Ferner bieten wir neben dem ermäßigten Eintrittspreis für die „Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer der Musica Sacra am Hohen Dom zu Mainz e. V.“ nun auch vergünstigte Karten für die Zielgruppe der Schüler und Studenten an.

Hat sich die neue Reihe in den Organistenkreisen und Liebhabern der Orgelmusik bereits herumgesprochen?

Es freut mich, dass ich seitens der Medien bereits im vergangenen Jahr eine solch gute Unterstützung erfahren durfte. Durch zahlreiche Pressemitteilungen, Beiträge in Rundfunk und Fernsehen sowie Internetseiten samt E-Mail-Newsletter-Service konnten viele Interessenten erreicht werden. Auch bei meiner auswärtigen Konzerttätigkeit bin ich von Kollegen des Öfteren auf den Zyklus angesprochen worden. Darüberhinaus lassen mich die zahlreich eingehenden Bewerbungen renommierter Organisten um ein Konzert im Rahmen des Internationalen Orgelsommers nicht nur spekulativ davon ausgehen, dass sich das neue Mainzer Angebot auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen hat. So bin ich auch guter Dinge, dass der zweite Internationale Orgelsommer guten Zuspruch finden darf.

Welche Künstler konnten Sie in diesem Jahr verpflichten?

In den acht Konzerten im Zeitraum 21. Juli bis 08. September 2012 werden insgesamt sechs Gastorganisten zu hören sein. Diese sind im Einzelnen: Prof. Ulrich Walther (Kunstuniversität Graz), Domorganist Michael Harris (Kathedrale St. Giles’ Edinburgh), Domorganist Ludwig Ruckdeschel (Passau), Dr. Naji Hakim (Paris), Prof. Tomasz Adam Nowak (Lambertikirche Münster und Hochschule für Musik Detmold) sowie Prof. Gerhard Gnann (Musikhochschule Mainz). Das Anfangs- und Abschlusskonzert werde ich gestalten.

Und was werden die Künstler spielen?

Wie bereits im Vorjahr habe ich den Gästen hinsichtlich der programmatischen Gestaltung bewusst keinerlei Vorgaben gemacht, damit jeder Organist seine individuellen Stärken zum Ausdruck bringen kann. Dabei ist ein sehr abwechslungsreiches Gesamt-Programm entstanden, das neben Kompositionen des 14. bis zum 21. Jahrhunderts auch Improvisationen und Eigenkompositionen der Gäste erwarten lassen.

Zum Beispiel?

Ulrich Walther wird am 28. Juli in einem Gedenkkonzert anlässlich des Todestages Johann Sebastian Bachs ausschließlich dessen Werke, allerdings in romantischen Bearbeitungen beispielsweise Max Regers spielen. Da sowohl die Domorgel als auch die Domakustik komplizierte polyphone Strukturen in historisierend inspirierter Aufführungspraxis nicht begünstigen, wird er mit den selten zu hörenden Bearbeitungen bestens Raum und Orgel gerecht. Am 4. August wird Michael Harris ausschließlich Werke der englischen Romantik darbieten, die auch hierzulande eher selten zu hören sind und somit eine große Bereicherung für den Internationalen Orgelsommer darstellen. Mein Passauer Kollege Ludwig Ruckdeschel hat sich neben Werken des Barock, der Früh- und Spätromatik sowie der Moderne auch für eine Eigenkomposition aus dem Jahre 2011, die „American Suite“ entschieden. Besonders interessant wird wohl auch das Konzert am 18. August mit Naji Hakim, der ja bekanntlich zu den bedeutendsten Organisten, Improvisatoren und Orgelkomponisten unserer Zeit gezählt wird. Er stellt neben Werken Bachs und Francks und einer finalen Improvisation auch zwei Eigenkompositionen in den Mittelpunkt des Abends: „Theotokos“ – das ist Greichisch une heißt „Gottesmutter“ – und „To Call My True Love To My Dance“, Variationen über ein dänisches Volkslied. Dieses Konzert wird freundlicherweise von der „Pro Musica Viva Maria Strecker-Daelen Stiftung“ unterstützt. Der nächste Orgelabend am 25. August ist gänzlich der Kunst der Improvisation gewidmet. Tomasz Adam Nowak, dessen Improvisationsunterricht ich zu Studienzeiten besuchte, ist ein ausgewiesener Meister dieser Disziplin. In seinem Konzert im Mainzer Dom reagiert er spontan auf Themenwünsche des Publikums und verarbeitet diese im Rahmen von Stilkopien in der Klangsprache des norddeutschen Barock, der Wiener Klassik und der Romantik, bevor er mit einer groß angelegten Symphonie endet. Am 1. September gastiert Gerhard Gnann an der Domorgel, der in Mainz als Orgelprofessor der hiesigen Musikhochschule natürlich kein Unbekannter ist. Das Repertoire des Abends umspannt mit einem Zeitfenster von rund 550 Jahren die unterschiedlichsten Epochen abendländischer Musikkultur und bietet daher größtmögliche Abwechslung, wobei Bach als immer wiederkehrender Komponist gleichermaßen ihre Säule und ihren Anker symbolisieren wird. Im Abschlusskonzert interpretiere ich mit einer Choralphantasie Max Regers, einem großen Bach und der Suite Maurice Duruflés Orgelwerke größten Stils, das Eröffnungskonzert spiegelt das Programm der frisch erschienenen Orgel CD wider, die ich gleichsam in diesem Konzert auch vorstellen möchte.

Worauf freuen Sie sich beim zweiten Internationalen Orgelsommer persönlich am meisten?

Auf den intensiven Kontakt zu den Kollegen aus Nah und Fern - der sonst leider viel zu kurz kommt - und natürlich auf gute und vielfältige Musik.

Im Gespräch ist ja eine Restaurierung der Dom – soll der Orgelsommer auch auf dieses Thema hinweisen?

Wie gesagt möchte ich die CD mit Werken von Liszt, Mendelssohn und Mozart vorstellen. Der Reinerlös aller im Domumfeld verkauften Exemplare soll der grundlegenden Neuordnung der Mainzer Domorgelanlage unter Verwendung ihrer etablierten, spätromantischen Substanz von Hans Klais aus dem Jahre 1928 zu Gute kommen. Ferner wird die CD als Abonnement der zweiten Ausgabe dieses Jahres des „ORGAN – Journal für die Orgel“ aus dem Hause Schott hinzugegeben und somit in 21 Länder der Erde verschickt werden. Neben der CD-Beilage habe ich dort einen großen Leitartikel zu diesem Thema verfasst, dessen Grundidee ich auch im Eröffnungskonzert des Internationalen Orgelsommers vermitteln möchte.

Warum beschränkt sich der Orgelsommer eigentlich auf den Dom? Andere Mainzer Kirchen haben doch auch tolle Orgeln?

Nun ja, Kultur kostet bekanntlich immer Geld, das naturgemäß von der jeweiligen Institution zur Verfügung gestellt werden muss. Darüber hinaus bin ich ja ebenfalls am Dom beheimatet. Sie haben aber Recht: Die Orgelsituation in Mainz darf aktuell sehr positive und gleichsam erfreuliche Wendungen erleben. Nach dem Einbau der englisch-romantischen Nelson-Orgel in St. Quintin ist St. Stephan die nächste Mainzer Pfarrkirche, die nach dem Einbau der sich derzeit im Bau befindlichen Klais-Orgel über eine äußerst interessante Orgelsituation verfügen wird. Natürlich ist nach wie vor auch die historische Stumm Orgel der Augustinerkirche ein viel zu wenig beachteter Schatz regionaler Orgelbautradition. Keineswegs bin ich abgeneigt, auch Gespräche hinsichtlich möglicher Kooperationen zu führen, teils ist dies sogar bereits geschehen. In diesem Jahr finden aber alle Konzerte in unserem Dom statt.

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