Erfolgreiches Probenwochenende mit 250 Stimmen in der Rhön (06/2012)

Gesungen hat man schon öfters miteinander, erst jüngst zum 25-jährigen Jubiläum der Domkantorei. Aber ein ganzes Konzert und dafür gemeinsam geprobt? Das ist neu. Genau so neu wie der am vergangenen Wochenende veranstaltete Probenmarathon in Bad Brückenau. Dorthin reisten alle drei Chöre am Mainzer Dom, um sich zusammen auf das Abschiedskonzert von Domkapellmeister Mathias Breitschaft am 16. Juni vorzubereiten.

Eine Bitte hat Domkapellmeister Mathias Breitschaft an die 250 Sängerinnen und Sänger des Mainzer Domchores, der Domkantorei und des Mädchenchores am Dom und St. Quintin: „Wenn Ihr am Mittwoch das Spiel Deutschland gegen die Niederlande schaut, dann bitte nur zuhause und nicht in der Gruppe.“ Offenbar hört der Dirigent noch die Folgen von Gomez‘ Tor gegen Portugal, das von allen in der Turnhalle von Haus Volkersberg in Bad Brückenau kollektiv und vor allem lauthals bejubelt wurde: „Übrigens nicht nur von den Männern…“ Aber Breitschaft gibt sich seherisch wie einst Krake Paul und hofft für die Stimmbänder seiner Chöre: „Allzu viele Tore werden da wohl nicht fallen.“

Die Mitglieder der Domchöre wissen wie man jubelt – und wie man danach auch diszipliniert singt: auch und gerade während des gemeinsamen Probenwochenendes in der Jugendbildungsstätte der Diözese Würzburg. Dort präsentierte sich der „Gesamtchor“ beeindruckend stimmgewaltig. Auch wenn es in Augen und Ohren des Dirigenten natürlich immer etwas zu verbessern gab: „Das ‚Agnus dei‛ dauert mir zu lange. Und das Schluss-s im Tenor kommt nicht richtig.“ Das schöne Legato hingegen könne man so lassen: „Aber nicht schleppen!“ Woanders ist man eine Nuance zu schnell geworden. Wortwörtlich im Hintergrund wirkt Otto Honeck, seines Zeichens Solo-Korrepetitor aus Frankfurt am E-Piano.

Man könnte die Liste der Kritikpunkte ewig weiter führen, schließlich zeichnet eben dieses genaue Hinhören und ständige Wiederholen einen guten Chorleiter aus. Doch Breitschaft ist vor allem angetan vom gemeinsamen Klang und weiß auch zu loben: seine Bässe, deren Grundierung er genießerisch goutiert, die Knaben und Mädchen, die hellen Tenöre und warmen Frauenstimmen. Er erklärt und weiß um die Qualität seiner Sängerinnen und Sängern, auch wenn das Erarbeitete mal wieder weg ist: „Ich weiß doch, dass Ihr’s könnt!“ Und dann klappt es doch und selbst in einem so profanen Raum wie dieser Turnhalle, zwischen Basketballkorb und Schwebebalken vermögen die Chöre Gänsehaut zu erzeugen.

„Das hier ist eine Probe, kein Durchlauf“, ruft Breitschaft die Stimmen zur Ordnung und pickt sich während des Singens per Blickkontakt auch schon mal einzelne heraus, die nicht ganz so aufmerksam sind wie sie sein könnten. Denn das Programm des Konzerts am 16. Juni ist höchst anspruchsvoll. Das Kyrie aus Bachs h-moll-Messe eröffnet die „Missa Breitschaftiensis“, gefolgt von Partien aus Beethovens „Missa solemnis“, Bruckners f-moll-und Schuberts As-Dur-Messe sowie der „Missa Moguntia“ von Kirchner. Für sein Abschiedskonzert hat sich der Domkapellmeister eine eigene Messe zusammengestellt und dokumentiert somit das breite stilistische und kompositorische Spektrum, das er in den 27 Jahren im Amt gemeinsam mit seinen Chören durchmessen hat.

In der Pause bekommt man Domkantor Karsten Storck zu fassen; er und ein Team aus engagierten Mitarbeitern und Betreuern zeichneten mit für das Gelingen dieses Chorwochenendes verantwortlich: „Unser Experiment, mit allen Generationen einmal zusammen zu arbeiten ist gelungen“, freut sich Breitschafts Nachfolger im Amt. Alles habe wie am Schnürchen geklappt, womit nicht nur die Proben gemeint sind, denn neben der Musik kamen auch Spiel und Sport nicht zu kurz: Gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge nach Bad Brückenau, Fußball und Tischtennis, eine Dombesichtigung in Fulda und nicht zuletzt das „Public Viewing“ in der Turnhalle machten das Probenwochenende in der Rhön zu einem vollen Erfolg.

Vor allem während der Proben spürt man den von Storck angesprochenen „Geist dieses Wochenendes“, der vor allem während des gemeinsamen Abendgottesdienstes am Samstag „wehte“: „Das war schon etwas besonderes, die Musik, die Verkündigung – all das verbunden mit dem Abschied von Mathias Breitschaft, den wir ihm so schön wie möglich gestalten wollen.“

Dass das vor allem mit diesem Probenwochenende gelungen ist, zeigt sich im Fazit des Domkapellmeisters, der am Ende seine Chöre in den höchsten Tönen lobt: „Jedes Ensemble hat seine eigene Qualität – und wenn diese drei dann zusammenkommen, ist das ein tolles Miteinander und zeigt, dass wir eine große Familie mit dem gleichen Ziel sind.“ Wehmut verspüre er nicht, aber Dankbarkeit – nicht nur für das tolle Mitarbeiten an den letzten Tagen. Und besonders seine Jungs, mit denen er Bruckners „Te deum“ in dieser kurzen Zeit gänzlich neu einstudiert hat, bewundert er für ihre Flexibilität: „Bravissimo!“

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