„Ein Mädchenchor hat einen ganz speziellen Klang“ (02/2013)

Der erste Eindruck, den die Zuhörer im Mainzer Dom von Matthias Bartsch bekamen, war eher ein akustischer, denn zum jüngsten Konzert der Reihe „Cantate Domino" hatte der neue Domkantor die Sängerinnen des Mädchenchores am Dom und St. Quintin im nördlichen Teil des Gotteshauses aufgestellt und war somit für die meisten eher unsichtbar. Das, was man hörte, klang aber richtig gut. Und es machte Lust auf mehr: mehr von diesem Chor zu hören – und diesem Dirigenten.

Daher sitzt man sich nun gegenüber – im an diesem Mittag verwaisten Büro von Domkapellmeister Karsten Storck, an Bartschs Arbeitsplatz herrscht nämlich noch das Chaos des Einzugs. Die Kisten in der neuen Wohnung sind auch noch nicht alle ausgepackt: „Viel zu tun“, lacht der 28-jährige Domkantor: Morgens Büroarbeit mit Notenbeschaffen, Kopieren, Probenpläne schreiben, Konzertprogramme entwerfen, nachmittags Stimmbildung und dann natürlich die Proben mit den jungen Damen.

Auch wenn er in Mainz noch gar nicht so richtig angekommen ist – seine Frau Christina und das elfmonatige Töchterchen Helena sind gerade nachgezogen –, im Dom fühlt er sich schon wohl. Auch mit seinem obersten Dienstherrn Bischof Lehmann hat er bereits ein paar Worte gewechselt: „Ein sehr sympathischer Mann, freundlich und offen.“ Gleiches hat Bartsch auch in „seinem“ Chor erlebt, denn seine Aufgabe ist vor allem die Leitung und die Organisation des Mädchenchores. Die Damen haben ihren neuen Dirigenten „sehr freundlich und herzlich“ empfangen: „Das hat mir den Einstieg sehr einfach gemacht.“

Sein musikalisches und pädagogisches Rüstzeug hat er sich an verschiedenen Stellen erworben: Schon früh spielte der in Düsseldorf geborene und in Krefeld aufgewachsene Bartsch Geige und Bratsche, begann 14-jährig mit dem Klavier und später auch mit der Orgel. Noch während der Schulzeit legte er die C-Prüfung für Kirchenmusiker im Nebenamt ab und wirkte von 2003 bis 2009 als Organist an St. Michael zu Krefeld.

2004 begann er an der Robert Schumann-Hochschule Düsseldorf das Studium der Kirchenmusik und sattelte nach dem Diplom 2008 noch ein Aufbaustudium sowie den Diplom-Studiengang Chorleitung drauf. Eine Empfehlung als Leiter des Mädchenchores am Dom und St. Quintin gab ihm auch die vierjährige Assistenzzeit bei Raimund Wippermann, dem Künstlerischen Leiter des Mädchenchores am Essener Dom.

2009 trat Bartsch dann seine erste Anstellung als Seelsorgebereichsmusiker in Solingen-West an, die er bis zuletzt ausfüllte: Hier galt seine Aufmerksamkeit neben dem Orgelspiel vor allem der Arbeit mit dem dortigen Kirchenchor, der Choral-Schola, einem Kammerchor sowie Kinder- und Jugendensembles.

Und nun also: Mainz! Auch wenn Matthias Bartsch (noch) eher Borussia Dortmund die Daumen drückt und (als gebürtiger Düsseldorfer) der Mainzer Fastnacht (noch) etwas distanziert gegenübersteht, fühlt er sich sowohl am Rhein als auch in Amt und Würden wohl. Und auf die Frage, welche eigenen Akzente er in Zukunft setzen möchte, plaudert er nicht gleich los, sondern denkt einen Augenblick nach: „Da gibt es doch dieses Zitat, dass Musik die Sprache der Engel sei“, sagt er: „Für mich und ich glaube auch für die Mädchen ist die Musik Ausdruck unseres Glaubens.“ Und wenn man hier Kinder und Jugendliche packen könnte, sei das etwas Großartiges: „Viele bleiben der Musik ihr Leben lang treu – und das nicht nur in der Kirche.“

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