Mainzer Chorbuch vorgestellt (06/2014)

2012 folgte der amtierende Domkapellmeister Karsten Storck seinem langjährigen Vorgänger Mathias Breitschaft im Amt. Der kehrte aus privaten Gründen der Landeshauptstadt den Rücken und zog in den Hunsrück – der Musik am Hohen Dom zu Mainz blieb er jedoch verbunden. In den vergangenen Monaten beendete er seine Arbeit am von ihm im Verlag Schott Music herausgegebenen „Mainzer Chorbuch“, das er jetzt dem Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann überreichte.

Statt klingender Saiten nun also 350 bedruckte Seiten: prall gefüllt mit geistlicher Musik aus sieben Jahrhunderten – unter anderem von Mainzer Komponisten und von Musikern, die im Bistum arbeiten. Im Inhaltsverzeichnis fallen einem Namen von Josef G. Rheinberger (1839-1901) und Peter Cornelius (1824-1874) ins Auge. Da sind die Mainzer Hofmusiker Philipp Jakob Baudrexel (1627-1691) und Vincenzo Righini (1756-1812); ein Akzent liegt auf zeitgenössischen Kompositionen beispielsweise von Andreas Boltz (*1964) oder Thomas Gabriel (*1957). Und natürlich nimmt auch das Œuvre Breitschafts (*1950) mit gleich 14 Liedsätzen großen Raum ein.

Schott Music war am Tag der Überreichung durch den Verleger Dr. Peter Hanser-Strecker, den Cheflektor Dr. Rainer Mohrs und Christian von Schempershofe Papen als Produktmanager für Chormusik prominent vertreten. Seit Jahren sei man der Musica sacra am Mainzer Dom eng verbunden, betonte Dr. Hanser-Strecker und lobte die Neuerscheinung als „grandiose Zusammenfassung der Musik am Mainzer Dom“ und „Spiegelbild des örtlichen Musiklebens“.

Der breiten Masse nicht unbedingt unbekannt ist übrigens die Tatsache, dass der Schott-Verlag eng mit dem Bistum verbunden ist: Ein gewisser Bernhard Schott erhielt nämlich vom damaligen Mainzer Bischof, Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal das „privilegium exclusivum“ als Hofmusikstecher Noten zu drucken und zu verkaufen. Der Musiker war derart erfolgreich, dass man bereits 1792 ein Haus im Mainzer Weihergarten erstehen konnte – auch heute noch residiert der Schott-Verlag, der 2019 sein 250-jähriges Bestehen feiert, dort.

Karl Kardinal Lehmann, der großes Interesse nicht nur am Entstehungsprozess des „Mainzer Chorbuchs“ sondern auch an der Marktentwicklung für gedruckte Noten und ihren Einsatz zeigte, nannte das Kompendium ein „Geschenk im besten Sinn des Wortes“. Seine Freude über dessen Erscheinen mische sich mit der über das rege musikalische Leben am Dom: Schließlich drohe eine große Verarmung der Gottesdienste, wenn man nicht, wo möglich, auch die klingende Tradition pflege. Dieser Gefahr könne man mit dem „Mainzer Chorbuch“ wirksam entgegentreten.

Mathias Breitschaft begann die unter anderem von Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Drescher unterstützten Recherchen noch in seiner aktiven Zeit als Domkapellmeister in Mainz und berichtete vom „schmerzlichen Prozess“ des Aussortierens, denn Material hätte er für mehrere Bände gehabt. Nun bietet sich im „Mainzer Chorbuch“ von Otto Abel bis Dan Zerfaß ein anschaulicher Querschnitt durch sieben Jahrhunderte Kirchenmusik.

Mit der Notensammlung betritt man an sich kein Neuland, wohl aber in puncto Umfang: Eine derart umfangreiche Zusammenstellung sei bislang einzigartig, betont der Kirchenmusiker. Großzügig im Druckbild und klar an den wichtigen Festtagen und Anlässen des Kirchenjahres strukturiert soll das „Mainzer Chorbuch“ auch als Lehrbuch für die Ausbildung von Kirchenmusikern zum Einsatz kommen.

Mathias Breitschaft (Hrsg.): Mainzer Chorbuch – Geistliche Chormusik durch das Kirchenjahr aus sieben Jahrhunderten; Verlag Schott Music; ISBN 978-3-7957-5926-1, ED 20606; 24,99 Euro (ab 20 Expl. 22,99 Euro, ab 40 Expl. 20,99 Euro, ab 60 Expl. 18,99 Euro)

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