Dommusik auf Talentsuche (10/2013)

Ihr Abitur haben Domkapellmeister Karsten Storck und Domkantor Matthias Bartsch schon lange in der Tasche. Trotzdem gehen sie immer wieder zur Schule: Einmal im Jahr ziehen die beiden Kirchenmusiker in Mainz durch acht bis zehn katholische und städtische Grundschulen, um in den dritten Klassen nach neuen Stimmen für den Domchor und den Mädchenchor am Dom und St. Quintin zu suchen.

Eigentlich steht auf dem Stundenplan der Klasse 3b der Martinus-Schule in Weisenau heute ja Handarbeit und Werken. Doch leiht Klassenlehrerin Antonia Kühn ihre Kinder gerne mal aus: Die Mädchen bleiben bei Bartsch, die Jungs gehen mit Storck, der sich ihnen auf spielerische Weise vorstellt.

Natürlich wissen Julian und Nicolas, wen sie da vor sich haben, schließlich singen ihre Brüder bereits im Domchor. Aber die anderen lösen schnell das Rätsel, in welchem „alten, roten Haus mit vielen Türmen“ dieser Herr Storck wohl arbeitet: im Dom natürlich! Da ist er so eine Art Musiklehrer – und zwar für ein Instrument, „das alle Menschen haben“: die Stimme.

Und wie es bei Simon, Jason, Vito, Leon und den anderen um dieses Organ bestellt ist, testet Storck dann mit dem gemeinsamen Lied „Bruder Jakob“, das alle gleich mitsingen können. Als dann jeder einzeln den Cantus anstimmt, hört Storck schnell, ob er hier vielleicht einen künftigen Domchoristen vor sich hat – oder eben nicht. Auch das Rhythmusgefühl wird mit dem Klatschspiel getestet. „Nicht jeder kann alles“, erklärt der Domkapellmeister seinen 14 Schülern auf Zeit. Das sei ganz natürlich.

Mancher sei vielleicht eher Sportler. Und das habe übrigens etwas mit dem Singen gemein: „Im Chor muss man genauso intensiv üben.“ Für den Vorbereitungskurs heißt das: zweimal wöchentlich Probe. Wer wird wohl in wenigen Tagen einen Einladungsbrief erhalten? Und welche Eltern werden sich daraufhin bei Storck melden?

In einem Elterngespräch wird dann Näheres geklärt. Zuvor haben die Chorleiter schon mit der Klassenlehrerein Rücksprache gehalten, denn die schulische Leitung muss ein Engagement im Domchor natürlich ebenfalls erlauben.

Pro Jahr gewinnen Mädchen- und Domchor auf diese Weise jeweils 20 bis 30 neue Mitglieder. Storck und Bartsch sind den Mainzer Grundschulen daher sehr dankbar, dass sie hier für ihre Arbeit werben dürfen. Mit vielen verbindet sie mittlerweile eine feste Partnerschaft.

Und die herrscht auch in den Chören, in denen es vor allem, aber eben nicht nur ums Singen geht: Spielenachmittage im Chorhaus und gemeinsame Ausflüge stehen ebenso auf dem Programm wie tolle Konzerte im Dom und anderswo. Der Flyer, den Storck den Jungs am Schluss mitgibt, zeigt den Chor unter anderem sogar vor dem Weißen Haus in Washington. Ob Tobias, Dylan oder Elias in einem Jahr dann vielleicht schon mit von der Partie sein werden? Diese etwas andere Schulstunde hat ihnen zumindest hörbar Spaß gemacht.

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