Domorganist Daniel Beckmann zum Internationaler Orgelsommers 2013 (07/2013)

In Mainz sagt man, alles, was zwei Mal erfolgreich stattgefunden habe, könne bereits als Tradition bezeichnet werden. Insofern ist es kein Wunder, dass Domorganist Daniel Beckmann mit Elan in den dritten Durchlauf des von ihm 2011 ins Leben gerufenen Internationalen Orgelsommers am Mainzer Dom startet. Vom 27. Juli bis zum 14. September 2013 geben sich hier berühmte Tastenkünstler die Klinke in die Hand.

Herr Beckmann, der Orgelsommer geht bereits in die dritte Runde. Haben Sie bei der Konzeption der Reihe mit einer so positiven Resonanz gerechnet?

Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zeigt, dass an den meisten Bischofskirchen ein vergleichbares Orgelfestival in den Sommermonaten durchgeführt wird – und dies zum Teil mit großem Erfolg bei jahrzehntelanger Tradition. Exemplarisch möchte ich in diesem Zusammenhang die „Orgelfeierstunden" im Kölner Dom oder die Orgelkonzerte im Freiburger Münster nennen. Auch wenn die Sitzplätze dort trotz der monumentalen Kathedraldimensionen für die geneigten Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher in der Regel nicht ausreichen und viele Leute auf mitgebrachten Klappstühlen oder Wolldecken Platz nehmen, konnte ich bei meinem Antrag an das Bischöfliche Domkapitel trotz aller guten Hoffnung natürlich nicht automatisch davon ausgehen, dass dieses Modell auch erfolgreich auf Mainz übertragbar sein würde. Allerdings gab es ja beste Erfahrungen mit den Orgelmatineen, die seit 2010 monatlich durchgeführt und hervorragend frequentiert werden. So ist auch der Internationale Orgelsommer, der 2011 seine Erstauflage erfahren durfte, sehr gut angelaufen – und ich gehe davon aus, dass er sich insbesondere im Hinblick auf den zwingend erforderlichen Domorgelneubau auch langfristig etablieren können wird.

Wie viele Zuhörer besuchen in der Regel die Konzerte und welche Reaktionen haben Sie hier schon bekommen?

In der Regel wurden die Konzerte in den beiden zurückliegenden Jahren von je 200 bis 300 Personen besucht. Von auswärtigen Kollegen bin ich bereits vielfach auf den Zyklus angesprochen worden; auch die zahlreich eingehenden Bewerbungen renommierter Organisten um ein Konzert im Rahmen des Internationalen Orgelsommers lassen mich nicht nur spekulativ davon ausgehen, dass sich das Angebot auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen hat. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher haben Dankbarkeit und Gefallen durch spontane Rückmeldungen an der Abendkasse, Zuschriften im Nachgang der Konzerte oder im persönlichen Gespräch bekundet. Darunter waren gleichermaßen Einheimische, auswärtige „Stammgäste" und Touristen. Aufgrund des Konzertbeginns samstags um 18.30 Uhr verbinden viele ihren Konzertbesuch mit einem vorausgehenden Einkaufsbummel in der Altstadt und einem anschließenden, gemütlichen Abendessen im Domumfeld. Das alles stimmt mich froh und dankbar und zeigt, dass das Angebot gut und gerne angenommen wird.

In diesem Jahr laden Sie nicht nur in den Dom ein. Wo finden denn noch Konzerte statt?

Der Internationale Orgelsommer ist am Mainzer Dom beheimatet – und das soll auch so bleiben. Dennoch konnten neben der Domorgel von Klais/Kemper (1928/1965, 114/VI/Ped) auch die Augustinerkirche mit ihrer spätbarocken Stumm-Orgel (1773, 35/II/Ped) sowie die Pfarrkirche St. Stephan mit dem jüngsten repräsentativen Orgelneubau der Diözese (Klais, 2013, 47/III/Ped) als weitere Spielstätten gewonnen werden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen kann das Eröffnungskonzert am 27. Juli aufgrund der Baumaßnahmen an der Westturmspitze nicht im Dom stattfinden. Zum anderen war mir wichtig, die genannten Instrumente aufgrund ihrer Attraktivität in die Programmplanung einzubeziehen. So wird auch eine größere stilistische Vielfalt möglich, die durch die konzertierenden Organisten auch eine starke Berücksichtigung erfahren wird; auch die Vernetzung von Dom und Bistum wird deutlich. Über die ganz unbürokratische Einwilligung der jeweiligen Verantwortungsträger freue ich mich und bin mir sicher, dass die Orgeln noch stärker in den ihnen gebührenden Fokus gerückt und auch der Internationale Orgelsommer an Attraktivität gewinnen wird.

Der Internationale Orgelsommer ist für Sie sicherlich mehr als eine reine Konzertreihe...

O ja. Er ist Verkündigung, Kulturaustausch, Kunst und Traditionspflege. Er lädt zum Hören und Verweilen, zum Nachdenken und zur Meditation ein. Er möchte künstlerische Anreize bieten und einen gewichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in Stadt, Diözese und Land leisten. Für mich persönlich bietet er darüber hinaus die Möglichkeit zum kommunikativen Austausch mit nationalen und internationalen Kollegen.

Welche Gäste begrüßen Sie denn in diesem Jahr?

Als ersten Gast werde ich am 3. August Maurice Clerc aus Dijon willkommen heißen. Ihm folgen Graham Barber aus Leeds am 10., Lorenzo Ghielmi aus Orino am 17., mein Würzburger Kollege Stefan Schmidt am 24., Edgar Krapp aus München am 31. und schließlich Eric Lebrun aus Paris am 7. September. Das Eröffnungskonzert am 27. Juli und das Abschlusskonzert am 14. September werde ich der jungen Tradition folgend selbst gestalten.

Gibt es besondere Höhepunkte?

Viele! Alle Interpreten sind Meister ihres Faches. Durch die jeweilige Herkunft aus Deutschland, England, Frankreich und Italien wird auch das landestypische Repertoire mit seinen individuellen Interpretationscharakteristika im Dom erfahrbar und der Orgelsommer kann seinem internationalen Anspruch gerecht werden. Zunächst freut es mich, mit Maurice Clerc städtepartnerschaftliche Beziehungen zwischen Mainz und Dijon stärken und intensivieren zu können. Als langjähriger Domorganist unserer Partnerstadt bringt er ein abwechslungsreiches Programm mit, das neben Werken unterschiedlichster stilistischer Ausrichtungen auch eigene Transkriptionen von Orchesterwerken umfasst. Wie Clerc hat auch Graham Barber aus Leeds Werke aus fünf Jahrhunderten im Gepäck. Große stilistische Vielfältigkeit wird darüber hinaus in den Folgekonzerten auch durch die unterschiedlichen Instrumente gewährleistet. So dürften sich Freunde alter Musik schon jetzt auf den 27. August freuen, an dem Lorenzo Ghielmi, eine international anerkannte Größe historisch informierter Aufführungspraxis, an der spätbarocken Stumm-Orgel der Augustinerkirche konzertieren wird. Stefan Schmidt wird seinen Konzertabend mit Improvisationen zum Stummfilm „Jeanne d'Arc", der simultan auf eine Großbildleinwand im Westchor des Doms projeziert wird, gestalten. So etwas gab es bislang nie im Dom! Wer Edgar Krapp kennt, weiß, dass man auch das Konzert am 31. August nicht versäumen darf, zeichnet sich sein Spiel doch durch höchste Virtuosität und Musikalität aus. Schließlich freut es mich, auch Eric Lebrun aus Paris für ein Konzert im Dom gewonnen zu haben, der als hervorragender Vertreter der französischen Orgelkunst ein Programm mit marianischen Werken anbietet.

Wie stellen Sie eigentlich das Programm zusammen? Existiert da so was wie ein „roter Faden"?

Entscheidenden Einfluss in der Festivalkonzeption nehme ich durch die Auswahl der Künstler. Darüber hinaus achte ich darauf, Programmdoppelungen zu vermeiden. Ansonsten habe ich in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Konzerte immer dann besonders authentisch wirkten, wenn den Gästen hinsichtlich ihrer individuellen Programmplanung größtmögliche Freiheit gewährt wurde. Fern von ambitionierten Versuchen einer konstanten Thematik kann so jeder Interpret oder Improvisator seine eigenen Stärken und interpretatorischen Vorlieben ausspielen – und somit letztlich das geneigte Publikum überzeugen!

Worauf freuen Sie sich als „Hausherr" denn besonders?

Auf den intensiven Kontakt zu den Kollegen aus Nah und Fern - der sonst leider viel zu kurz kommt – und natürlich auf gute und vielfältige Musik.

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