Musikalischer Botschafter im In- und Ausland (10/2016)

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen“, hat der Dichter Matthias Claudius schon im 18. Jahrhundert gewusst. Auch die Mitglieder des Mainzer Domchores können von zahlreichen Konzerten auf anderen Kontinenten und in fast buchstäblich „aller Herren Länder“ berichten. Bereits 1907 trat man im französischen Metz auf, jedoch waren weitere Reisen in den ersten 120 Jahren eher die Ausnahme.

Chorreisen Begegnung mit Papst Benedikt XVI. Mainzer Domchor

Das änderte sich, als Mathias Breitschaft Domkapellmeister wurde, denn bald schon wurde es für die Chöre der Musica Sacra zur rasch lieb gewonnenen Tradition, dass man regelmäßig auf Reisen geht und somit auch die Rolle des kulturellen Botschafters ausfüllt. Nicht nur für die Jungs des Mainzer Domchors sind Tourneen in andere Ländern ohnehin eine aufregende Sache: das Reisen an sich, Fliegen, das Kennenlernen anderer Städte, Kirchen oder Konzertsäle, das Musizieren vor fremdem (und doch über die Musik bald vertrautem) Publikum.

Der Domchor sang schon in Brasilien, in den USA, in Israel, in Russland, ja sogar in Australien. Man war in vielen Ländern Europas zu Gast: in Polen, in Frankreich und mit Rom natürlich immer wieder auch in Italien, wo man für den Päpsten Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus begegnete. Andernorts traf man Bundespräsidenten oder -kanzler, Bischöfe und Bürgermeister, arbeitete mit berühmten Sängern und Dirigenten zusammen.

Besonders prägend sind für die jungen Stimmen der Mainzer Dommusik jedoch die persönlichen Kontakte mit „Einheimischen“. Statt in anonymen Hotels zu residieren wohnen die Jungs oft in Gastfamilien, wo sie „Land und Leute“ hautnah miterleben. Hierbei lernen sie dann auch ganz automatisch die Kultur und Geschichte sowie Sitten und Bräuche des bereisten Landes kennen. Mögliche Sprachbarrieren werden dabei nicht selten durch die Musik überwunden.

Singen im Petersdom, eine Zugfahrt durchs verschneite Russland, der Besuch von Disneyland in Amerika oder das Zusammentreffen mit farbigen Kindern in einer Schule im südafrikanischen Empangeni – neben den vielen Erinnerungen und Erlebnissen, mit denen die Sänger bislang aus St. Petersburg, New York oder Rio de Janeiro, Valencia, Haifa oder Dijon nach Mainz zurückgekehrt sind, erfahren sie durch jede Reise auch ein Stück Persönlichkeitsbildung.

Richtiges Auftreten und Verhalten in der Fremde sowie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für die jungen Repräsentanten gerade auf Tour eine Selbstverständlichkeit. Was die Verantwortlichen im Mainzer Domchor besonders hervorheben: Die Männerstimmen übernehmen auf den Fahrten ganz automatisch auch für die jüngeren Sänger Verantwortung und entlasten den Domkapellmeister und die anderen erwachsenen Reisebegleiter damit enorm.

Tourneen ins In- und Ausland sind natürlich das „Sahnehäubchen“ und schweißen den Domchor ebenso zusammen wie die gemeinsamen Probenphasen beispielsweise im österreichischen Werfenweng. Genauso wichtig sind für die jungen Sänger aber auch die Konzerte im eigenen Bistum, in Saulheim, Bingen-Büdesheim, Gau-Algesheim oder Mainzer Kirchengemeinden – auch wenn die Anreise hier meist nicht ganz so aufregend ist wie ein Flug nach Chicago… 

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