Positives Resümee des Jubiläumsjahrs 2016 (02/2017)

Ist ein Würdenträger hundert Tage im Amt, fragt man ihn in der Regel zu diesem Zeitpunkt nach seinen ersten Erfahrungen. Auch für Domkapellmeister Karsten Storck sind nun rund drei Monate vergangen, seitdem er mit seinen Sängern und begeisterten Zuhörern das 150-jährige Bestehen des Mainzer Domchors gefeiert hat. Im Interview zieht er ein positives Resümee.

Portrait Karsten Storck Mainzer Domchor Stephan Dinges

Herr Storck, wenn Sie an das Jubiläum denken, was fällt Ihnen da als erstes ein?

Da fallen mir viele Ereignisse ein, weil wir ein sehr spannendes und arbeitsintensives Jahr erlebt haben – nicht nur die Sänger des Mainzer Domchores, sondern auch die Mitglieder Domkantorei und des Mädchenchores. Ich blicke zurück auf das Passionskonzert unter der Leitung von Krzysztof Penderecki, in dem wir Teile seiner „Lukas-Passion“ und als Deutschland-Premiere das Werk „Dies illa“ aufgeführt haben. Dann verabschiedeten wir Kardinal Lehmann und feierten mit Mozarts c-moll-Messe seinen 80. Geburtstag. Und natürlich die eigentlichen Jubiläumskonzerte mit Mendelssohns „Elias“ und Händels „Saul“! Schließlich noch das Weihnachtskonzert mit allen Chören – ein gut gefülltes, aber auch erfüllendes Jahr.

Man konnte die Musica Sacra also gar nicht überhören?

Nein, und das nicht nur in den Konzerten mit wirklich wunderbaren Momenten, sondern auch in den vielen gottesdienstlichen Feiern, die unsere Sängerinnen und Sänger im Dom das ganze Jahr über musikalisch gestalten. Das wird gerne übersehen, und deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei allen aktiven Sängerinnen und Sängern und deren Familien herzlich bedanken.

Macht einen eine so gut gelaufene Jubiläumssaison auch ein wenig stolz?

Mit diesem Wort bin ich lieber vorsichtig, weil man es leicht missverstehen kann. Aber ja, ich bin glücklich über das Erreichte und auch in bisschen stolz auf meine Sängerinnen und Sänger! Gerade im vergangenen Jahr haben die Mädchen und Jungen oft die Grenzen dessen, was in nicht internatsgeführten Kinder- und Jugendchören möglich ist, überschritten. Das zu erleben war auch für mich ein großes Geschenk. Das gilt auch für die großen Opernproduktionen in Mainz und Frankfurt, in die viele unserer Kinder eingebunden sind.

Inwieweit wuchs im Jubiläumsjahr die Außenwahrnehmung der Musica Sacra? Enorm!

Nicht nur die Zeitungen haben ausführlich berichtet – auch der SWR hat in Funk und Fernsehen unsere Arbeit dargestellt. Und das hatte wortwörtlich eine tolle Ausstrahlung. Was ich eben aufzuzählen vergessen habe, war eine Konzert- und Pilgerreise nach Rom, wo neben Kardinal Müller auch andere hohe Würdenträger sehr aufmerksam verfolgt haben, was wir machen. Auch im eigenen Bistum wird unsere Arbeit sehr wertgeschätzt. Durch die Berichte sind sicherlich auch kirchenfernere Menschen auf den Domchor aufmerksam geworden. Und in unserer Nachwuchsarbeit wissen jetzt viele Eltern schon über uns Bescheid und sind entsprechend offener. Außerdem haben wir mehr Einladungen für Gastauftritte als in anderen Jahren bekommen – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Insofern hat uns das Jubiläum schon sehr geholfen.

Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel – gilt das auch für den Domchor?

Das trifft auf die gesamte Musica Sacra zu, denn nach Fastnacht beginnt für uns mit den Gottesdiensten in der Passions- und Osterzeit wieder eine sehr arbeitsintensive Phase. Und es warten tolle Konzerte und Reisen auf uns: Der Domchor fliegt im Sommer nach Brasilien und der Mädchenchor unternimmt im Herbst eine Reise in die Bodenseeregion. Auch sind wir in die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit eingebunden. Und wir warten natürlich gespannt auf einen neuen Bischof. Die Mainzer können sich neben zwei Konzerten mit Bachs Johannespassion unter anderem auf Mozarts Requiem und die „Weihnachtshistorie“ von Schütz freuen.

Ein gutes Stichwort: Worauf freuen Sie sich am meisten?

In nächster Zeit sind das besonders die Gottesdienste der Karwoche und das Pontifikalamt an Ostersonntag. Hier kommen die Chöre ihrer eigentlichen Aufgabe nach und man kann Musik ganz intensiv erleben – mit spürbarer Begeisterung sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen.

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